IFA 2026 – Bitte überrascht mich, bevor die Messe zur CeBIT wird

Huskynarr vor dem Reichstagsgebäude in Berlin zur IFA 2025 - Bild: Huskynarr

Huskynarr vor dem Reichstagsgebäude in Berlin zur IFA 2025 – Bild: Huskynarr

Ich fahre zur IFA, weil ich neue Technik sehen möchte. Richtig neue Technik. Dinge, bei denen man davorsteht und sich denkt: „Okay, das verändert vielleicht wirklich etwas.“

Dafür ist die IFA bekannt. Neben der CES gehört sie zu den großen Messen, auf denen Hersteller zeigen wollen, wie unsere Zukunft aussehen könnte.

Allerdings waren die letzten beiden Jahre für mich teilweise ernüchternd.

Gerade die großen Hersteller wie Siemens, Bosch, AEG, Samsung oder LG haben nicht immer das gezeigt, was ich mir von einer solchen Messe erhoffe. Statt großer Innovationen gab es häufig eher kleine Updates bestehender Hardware – natürlich mit möglichst viel KI-Beschriftung.

Siemens präsentierte im vergangenen Jahr beispielsweise eine KI-Innovation, bei der sich die Dunstabzugshaube automatisch einschaltet, wenn der Kochtopf anfängt zu kochen.

Das funktioniert bestimmt irgendwie. Aber ganz ehrlich: Dafür so viel Elektronik und KI einzubauen, anstatt das mit einem einfachen Sensor, Kabel oder Sender zu lösen? Das ist für mich keine Zukunftsvision. Das ist eher ein kleines Komfort-Update, das mit dem aktuellen Modewort KI beworben wird.

Ich erwarte nicht, dass jedes Produkt die Welt verändert. Aber wenn eine der größten Technikmessen der Welt stattfindet, möchte ich zumindest das Gefühl haben, dass dort jemand wirklich über die nächsten Jahre nachgedacht hat.

Die kleinen Stände überraschen oft mehr

Was mich in den vergangenen Jahren immer wieder überrascht hat, waren die kleineren Unternehmen und Startups.

Midea hat mit der PortaSplit gezeigt, dass nicht jede Innovation aus einem riesigen Forschungslabor kommen muss. Dreame und Roborock haben bei ihren Produkten ebenfalls abgeliefert. Roborock hat sogar meiner Redaktion einen Staubsauger zum Testen geschickt, der sich im Alltag wirklich gut geschlagen hat.

Auch Philips Hue hat mich bei einer Veranstaltung abseits der Messe positiv überrascht. Die neuen Leuchten wirkten deutlich angenehmer, die Farben waren sanfter und die Systeme gleichzeitig smarter. Das war für mich wesentlich spannender als irgendein Gerät, auf dem lediglich „AI Inside“ steht.

Aqara hatte viele neue Sensoren und Schalter dabei. SwitchBot hat mich direkt gefangen, weil die Produkte konkrete Alltagsprobleme lösen und nicht nur nach Zukunft aussehen sollen.

Und dann gibt es natürlich noch Unternehmen wie Anker, die ihrem Kernthema treu bleiben. Powerbanks, Ladegeräte und Zubehör sind vielleicht nicht die spektakulärste Erfindung der Menschheitsgeschichte, aber auf einer Messe braucht man genau solche Dinge ständig. Anker versteht es, daraus brauchbare Produkte zu machen.

Auch TCL zeigt regelmäßig wirklich beeindruckende Bildschirme. Nicht jedes Produkt muss komplett neu erfunden werden, wenn das Ergebnis am Ende überzeugt.

Robotik darf mehr sein als eine Endlosschleife

Meine Hoffnung liegt in diesem Jahr besonders auf Robotik, AR und anderen Technologien, die tatsächlich einen Blick in die Zukunft ermöglichen.

Der Roboterarm, der auf der vergangenen IFA Schachfiguren bewegt hat, war zwar nett anzusehen. Allerdings gibt es bereits magnetische Schachbretter, die das Problem deutlich einfacher lösen. Und sobald der Roboter einen fehlerhaften Zug nicht korrekt verarbeiten konnte, war er komplett verwirrt.

Das war ein schöner Moment, weil man daran gesehen hat, dass ein Prototyp eben noch kein fertiges Produkt ist.

Genau deshalb bin ich auf Neura Robotics gespannt. Ich hoffe sehr, dass dort mehr zu sehen sein wird als eine langsame Endlosschleife, in der Wäsche sortiert wird. Ein Roboter muss nicht sofort meine komplette Wohnung übernehmen. Aber ich möchte verstehen, was er wirklich kann, wo seine Grenzen liegen und ob daraus irgendwann ein sinnvoller Helfer werden kann.

Auch MyBotShop ist mir positiv im Gedächtnis geblieben. Dort wurde den Besuchern gezeigt, dass Roboter nicht nur in Forschungslaboren oder auf Pressefotos existieren. Es gab tatsächlich Geräte zu sehen, die bereits deutlich näher an echten Anwendungen waren.

Die IFA selbst setzt 2026 den Schwerpunkt bei IFA Next deutlich stärker auf humanoide Robotik. Rund 300 Aussteller sollen dort vertreten sein, darunter Unitree, Pudu Robotics, NEURA Robotics, Hengbot und weitere Unternehmen. Mehr dazu gibt es in der offiziellen Ankündigung zu IFA Next 2026.

Das klingt zunächst vielversprechend.

Samsung, LG und die Frage nach der großen Innovation

Bei Samsung hoffe ich vor allem, dass die neuen Produkte nicht wieder nur aus kleinen KI-Gadgets bestehen. Ich möchte endlich sehen, was wirklich der nächste Schritt sein soll.

Auch bei LG war in den vergangenen Jahren vieles eher ein kleines Update als eine große Innovation. Dabei sind gerade diese Unternehmen in der Lage, Produkte zu entwickeln, die Menschen tatsächlich für die Zukunft begeistern könnten.

Die IFA sollte nicht nur zeigen, dass ein Fernseher jetzt ein bisschen smarter ist oder ein Haushaltsgerät eine App bekommt.

Sie sollte den Menschen zeigen, wohin sich unser Alltag entwickeln kann.

Wie sieht ein Haushalt in fünf Jahren aus? Welche Rolle spielen Roboter? Wie verändert AR unsere Orientierung? Was können smarte Sensoren wirklich leisten? Wie viel Technik ist sinnvoll und ab wann wird aus Innovation nur noch Elektronik um der Elektronik willen?

Auf solche Fragen möchte ich Antworten finden.

Der IFA Creator Hub bietet dafür in diesem Jahr zumindest bessere Möglichkeiten. Dort soll es unter anderem Livestreaming-Stationen, Podcast- und Streaming-Studios sowie eine Creator Stage geben.

Robots on Stage! – darauf freue ich mich mega

Auf einen Programmpunkt freue ich mich bei der IFA 2026 besonders: Robots on Stage! Bei „Robots on the Runway“ sollen humanoide Roboter live auf der Creator Stage zu sehen sein. Dazu kommen der RoboCup und anschließend eine Meet-and-Greet-Runde mit den beteiligten Robotik-Ausstellern.

Das Ganze findet am 5. September von 13 bis 15 Uhr statt. Genau solche Programmpunkte wünsche ich mir von einer Technikmesse: nicht nur ein weiteres Gerät mit KI-Aufkleber, sondern Technologie, die man tatsächlich in Bewegung und im direkten Kontakt erleben kann.

Mehr dazu steht auf der offiziellen Programmseite zu „Robots on Stage!“.

Die Roboter-Meldungen werden mehr – und genau darauf freue ich mich

Je näher die IFA 2026 rückt, desto mehr Meldungen rund um Robotik kommen dazu. PrimeBOT soll mit T1 und Q1 Liveshows zeigen, Neura Robotics eine Präsentation abhalten – und genau solche Termine machen mich neugierig. Ich möchte nicht nur Roboter in einer Endlosschleife sehen, sondern erleben, wie sie sich bewegen, reagieren und in welchen Situationen ihre Technik tatsächlich sinnvoll eingesetzt werden kann.

Besonders spannend klingt Robots on the Runway: Dort laufen humanoide Roboter über den Catwalk, anschließend gibt es ein Meet and Greet. Mit dabei sind Primebot Robots, EngineAI, Cozio Robotics, Dobot Robot, DEEP Robotics, Agibot, Unitree, ZBy, Ollobot, Astrall Dynamics und AIMOGA. Das ist schon eine ziemlich beeindruckende Liste – und vermutlich genau die Art von Programmpunkt, bei der man sich besser nicht vornimmt, nur kurz vorbeizuschauen.

Einen Tag vorher stellt die Dream Stage außerdem eine Frage, die ich mindestens genauso interessant finde: Was passiert eigentlich, wenn Roboter in die Küche einziehen und älteren Menschen im Alltag helfen? Das klingt deutlich näher an den Fragen, die mich bei Robotik wirklich interessieren. Nicht nur: „Kann der Roboter einen Salto?“ Sondern: Kann er Menschen konkret unterstützen, ohne dass die Technik im Alltag selbst zum neuen Problem wird?

INMO GO3: Die will ich unbedingt testen

Und dann gibt es auf der IFA 2026 noch etwas, das ich unbedingt selbst ausprobieren möchte: INMO wird mit der GO3 vor Ort sein. Eine Brille, die ich nicht nur aus einer Pressemitteilung oder von Fotos kennen lernen möchte – ich will sie aufsetzen und testen.

Mich interessiert vor allem, wie sie sich im echten Messebetrieb anfühlt, wie natürlich die Nutzung wirkt und ob sie bei mir diesen „Okay, das ist wirklich spannend“-Moment auslöst. Gerade bei solchen Geräten entscheidet sich für mich vieles erst dann, wenn man sie selbst erlebt und nicht nur die Produktpräsentation sieht.

Am Samstag werde ich selbst live auf Twitch streamen und versuchen, möglichst viele Eindrücke direkt von der Messe mitzunehmen.

Bitte nicht der Weg der CeBIT

Meine größte Sorge ist, dass es der IFA irgendwann ähnlich ergeht wie der CeBIT.

Eine Messe verliert ihren Reiz nicht plötzlich. Das passiert langsam. Erst fehlen die großen Überraschungen. Dann werden die Produkte austauschbarer. Irgendwann fährt man nicht mehr hin, weil man dort etwas erleben möchte, sondern nur noch, weil man eben jedes Jahr dort war.

Noch ist es bei der IFA nicht so weit.

Aber ich möchte nicht irgendwann durch die Hallen laufen und nur noch kleine Updates von normaler Hardware sehen. Die großen Hersteller müssen wieder mutiger werden. Sie müssen zeigen, warum die Zukunft spannend ist.

Nicht jede Innovation muss praktisch sofort kaufbar sein. Manchmal reicht auch ein Konzept, bei dem man sich fragt, ob es in fünf oder zehn Jahren unseren Alltag verändern könnte.

Genau dafür sind Messen da.

Ich fahre also nicht zur IFA, um meine Enttäuschung bestätigt zu bekommen. Ich möchte mich überraschen lassen.

Vielleicht kommt die größte Innovation wieder von einem kleinen Stand, den kaum jemand kennt. Vielleicht zeigt ein Startup einen Roboter, der noch nicht perfekt ist, aber eine wirklich gute Idee hat. Vielleicht überrascht mich Samsung doch. Vielleicht schafft es Neura, mich nicht nur mit einer Demo, sondern mit einem echten Konzept abzuholen.

Und vielleicht zeigt die IFA 2026, dass sie ihren Reiz noch nicht verloren hat.

Das werde ich herausfinden.

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