gamescom 2026: Unsere Pilgerstätte verliert langsam ihren Zauber

Der Südeingang der gamescom 2026 am Tag vor der Eröffnung.

Der Südeingang der gamescom 2026 am Tag vor der Eröffnung.

Die gamescom 2026 ist vorbei. Und wenn ich ehrlich bin, war dieses Jahr deutlich ernüchternder als die vergangenen Jahre. Nicht so ernüchternd, dass wir gesagt hätten: „Das war es, nächstes Jahr bleiben wir zu Hause.“ Dafür ist noch genug da. Genug alte Bekannte, genug Freunde, genug Community und genug Momente, die dafür sorgen, dass wir nächstes Jahr wieder hinfahren werden.

Allerdings werden wir vermutlich wieder den üblichen Brainfuck veranstalten: erst monatelang sagen, dass wir uns das nicht noch einmal antun, und dann in letzter Minute doch zusagen. Das gehört inzwischen vermutlich genauso zur gamescom wie überteuerte Hotels und schmerzende Füße.

Warum ich trotzdem wieder hinfahre

Die gamescom ist für mich nach wie vor eine Art Pilgerstätte. Das klingt vielleicht übertrieben, aber wenn man das auch in Discords und WhatsApp-Gruppen von anderen langjährigen Besuchern hört, merkt man, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine bin.

Es ist die Mischung aus ASUS, dem Xbox FanFest, alten Bekannten und dem Gefühl, eine Woche lang unter Gleichgesinnten zu sein. Man trifft Menschen, die man teilweise nur einmal im Jahr sieht, läuft sich irgendwo über den Weg, verabredet sich spontan und ist plötzlich wieder in diesem gamescom-Kosmos angekommen.

Auch dieses Jahr gab es tolle Cosplays. Allerdings waren es weniger als früher und insgesamt auch häufiger schlichtere Kostüme. Das bedeutet nicht, dass sie schlechter waren. Im Gegenteil: Gerade bei einem eher einfachen Cosplay merkt man oft, ob die Details stimmen. Sehr beliebt war dieses Jahr die Protagonistin aus dem neuesten Resident Evil. Das Kostüm ist auf den ersten Blick relativ schlicht, aber bei den Cosplayerinnen stimmten die Details erstaunlich gut.

Die wichtigsten Side-Events haben wir ebenfalls mitgenommen. ASUS und Razer waren dabei meine persönlichen Highlights der Messe.

ASUS, Razer und ein paar bekannte Gesichter

Bei ASUS ist die Pressekonferenz für mich inzwischen selbst ein Highlight. Dieses Jahr war Ned Luke dabei, der Schauspieler hinter Michael aus GTA V. Der Mann wirkt tatsächlich ein bisschen so wie im Spiel. Das ist einerseits cool, andererseits macht es mir Angst, wenn ich dabei an Trevor denke. :D

Daneben gab es wieder die neuen Produkte, bei denen ASUS es regelmäßig schafft, sich selbst zu übertreffen. Neue Hardware, eine starke Inszenierung und diese Mischung aus Technikbegeisterung und Show funktionieren bei mir einfach.

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Bei Razer war es ähnlich. Über die konkreten Details darf ich leider noch nicht sprechen, weil das Embargo zum Zeitpunkt dieses Entwurfs noch gilt. Nur so viel: ASUS und Razer sind mit Abstand meine beiden Lieblingsbrands. Das merkt man wahrscheinlich auch daran, wie sehr ich mich dort jedes Jahr auf die Gespräche, die Produkte und die Menschen freue. <3

Neben Ned Luke konnte ich unter anderem Alan Walker, Gronkh, Bens Hardware, LuiTheDinosaur und Amylogie treffen. Alan Walker ist ein ausgesprochen freundlicher Mensch und offensichtlich auch Gamer, was man im Gespräch schnell merkt.

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Bei einem Gespräch von Gronkh mit joeykaotyk durfte ich dabei sein. Da konnte ich einiges lernen, denn es ist immer spannend, Menschen zuzuhören, die schon sehr lange in dieser Branche unterwegs sind und Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten.

Mit LuiTheDinosaur haben wir außerdem Razer ein wenig unsicher gemacht. Das sind genau diese Momente, wegen denen die Messe trotz aller Kritik noch funktioniert: Man sieht nicht nur Stände, sondern trifft Menschen, mit denen aus einem Termin eine Erinnerung wird.

Devcom: Masse statt Klasse

Die Devcom war dieses Jahr eher so lala. Wir waren auch nur einen Tag dort, weil es abseits der Workshops massiv weniger zu sehen gab. Es gab viele kleine Stände, aber insgesamt wirkte es auf mich wie „Masse statt Klasse“. Das richtet sich ausdrücklich nicht gegen die einzelnen Aussteller. Viele davon waren engagiert und hatten interessante Projekte dabei.

Aber große Namen wie AWS fehlten. Google war da, Apple hatte einen eigenen Raum für Workshops, doch insgesamt entstand eher der Eindruck: Es ist halt so.

Wir waren in nicht einmal zwei Stunden durch den gesamten Messebereich gelaufen. Danach blieben im Grunde nur noch die Workshops. Und genau dort wurde dann auch richtig aufgetischt. Die Workshops waren deutlich interessanter und gehaltvoller als das, was der restliche Aussteller- bereich in diesem Jahr hergegeben hat.

Eine gute Opening Night Live dank Motek Games

Die Opening Night Live war dank Motek Games wieder ein Highlight. Wir kamen leider erst sehr spät hinein, weil es Probleme mit dem QR-Code gab. Motek Games hatte deshalb kurzerhand einen VIP-Platz im reservierten Bereich ganz vorne für uns vorbereitet.

Das hat organisatorisch sehr viel vereinfacht. Statt uns nach dem ganzen Chaos noch irgendwo dazwischenquetschen zu müssen, konnten wir direkt an den vorbereiteten Platz. Solche Dinge machen einen Unterschied. Die Show selbst war dadurch natürlich nicht plötzlich besser oder schlechter, aber der Abend fühlte sich deutlich entspannter an.

Auch die Witcher-Präsentation von CD Projekt RED war großartig. Miles Tost war wie immer sehr sympathisch. Solche Präsentationen sind genau die Momente, bei denen ich merke, dass die gamescom grundsätzlich noch immer starke Augenblicke erzeugen kann.

Die gamescom erstickt an ihrem eigenen Erfolg

Und trotzdem bleibt bei mir ein ziemlich großer Kloß im Hals. Die gamescom wird jedes Jahr teurer. Die Preise steigen, der Profit scheint zu wachsen, und gleichzeitig werden immer mehr Menschen abgeschreckt. Das betrifft nicht nur Besucher. Auch Aussteller verzichten zunehmend auf Side-Events oder kommen gar nicht erst.

Die Hotelpreise sind dabei nur das offensichtlichste Beispiel. Übernachtungen für bis zu 400 Euro pro Nacht sind rund um die gamescom keine Seltenheit. Die Qualität der Hotels spiegelt diesen Preis aber in keiner Weise wider.

Ich bin im Ibis beziehungsweise Ibis Budget inzwischen offenbar unerwünscht, weil ich zu anspruchsvoll sei. Vor zwei Jahren funktionierte einer der Aufzüge nach Jahren immer noch nicht. Zuerst bekam ich ein Zimmer, das bestialisch nach Chemikalien und Schweißfüßen stank. Im zweiten Zimmer fiel kurz vor Ende der Aufenthalt der Strom aus. Danach landete ich in einem Zimmer, bei dem der Türsensor im Bad kaputt war und das Licht alle fünf Minuten an- und ausging. Das letzte Zimmer sah schließlich aus, als hätten dort Punker eine besonders lange Party gefeiert.

Wenn ein Hotel in der gamescom-Woche ein Vielfaches des normalen Preises verlangt, erwarte ich keinen Palast. Aber ein funktionierendes Zimmer wäre schon ein guter Anfang.

Für Creator und Presse entfällt zwar der Eintritt, aber auch für normale Besucher wird die Messe immer schwerer bezahlbar. Es gibt inzwischen weniger Spielstationen, und bei den Gesamtkosten kann man sich irgendwann fragen, ob ein Besuch im Europa-Park nicht das bessere Preis-Leistungs- Verhältnis hat.

Ein Familienvater, der mit seiner Frau und zwei Kindern zur gamescom fährt, kann mit Anreise, Essen, Tickets und Merch schnell bei 1.000 Euro landen. Wie sollen sich normale Menschen das noch leisten?

Altersbändchen, Security und vermeidbares Chaos

Dazu kommen Entscheidungen und Abläufe, die das Gesamtbild weiter trüben. Wir wurden während eines fünfminütigen Gesprächs mit der USK gleich dreimal wegen der Altersbändchen unterbrochen. Das, obwohl dort große und grafisch eindeutige Schilder hängen, die darauf hinweisen, dass man dort keine Altersbändchen bekommt.

Die USK selbst ist dabei nicht das Problem. Die Mitarbeiter kommen jedes Jahr mit Leidenschaft daher und sind wirklich freundlich. Als ich den Gedanken angesprochen habe, einen Stand für die Altersbändchen einfach direkt neben der USK zu platzieren, war die angesprochene Person sofort begeistert.

Mal ehrlich: Was wäre so schwer daran? Bändchen und Aufklärung nebeneinander. Die Besucher hätten eine klare Anlaufstelle und die USK könnte direkt über Jugendschutz informieren. Stattdessen steht man irgendwo, wird wegen der Bändchen angesprochen und bekommt teilweise das Gefühl, man hätte selbst das Schild nicht gelesen.

Auch bei der Security war die Kontrolle nicht immer nachvollziehbar. Im vergangenen Jahr gab es bereits negative Schlagzeilen rund um Kontrollen und Arbeitsschutz. Dieses Jahr waren zwar andere Kräfte im Einsatz, aber auch diesmal wurde laut mehreren Schilderungen nicht sauber kontrolliert. Es gab außerdem Berichte über übergriffiges und beleidigendes Verhalten, unter anderem gegenüber einem Rollstuhlfahrer.

Natürlich sind das einzelne Personen. Trotzdem bleibt am Ende der Gesamteindruck hängen. Eine Messe lebt nicht nur von Hallen und Marken, sondern auch davon, wie sich Menschen dort behandelt fühlen.

Immer weniger Reiz

Die Ausstellerflächen wirken breiter, es gibt weniger Randstände und immer mehr Leerflächen, die mit Catering oder Sitzflächen gefüllt werden. Am Samstag um zwölf Uhr war der Nordeingang auf meinen Fotos nahezu leer.

Das lag nicht nur an den Baustellen der Bahn oder der Stadt Köln. Es lag auch nicht ausschließlich daran, dass in diesem Jahr weniger große Spieletitel dabei waren. Dafür kann die Messe selbst nur bedingt etwas. Aber der Reiz fehlt zunehmend.

In der Business Area entwickelte sich ein anderes, ebenfalls erschreckendes Bild. Dienstleister, die Übersetzungen und ähnliche Services anbieten, waren teilweise gar nicht erst angereist oder frühzeitig wieder abgereist.

Ich war selbst einmal in einer AR-, VR- und XR-Firma tätig. Dass Unternehmen Standorte dorthin verlagern, wo es günstiger ist, ist nicht neu. Früher ging Outsourcing häufig in Richtung Indien oder Südafrika. Mittlerweile wird aber auch dieser Trend durch Automatisierung verändert.

Was früher komplex war, lässt sich dank KI immer einfacher automatisieren. Ich arbeite selbst noch für einige Agenturen. Auch dort gibt es nach und nach weniger Tests. Bei manchen dachte ich schon, ich sei rausgeflogen. Nein – es gibt schlicht weniger Tests.

Diese Entwicklung wird die Branche verändern. Übersetzungen sind nur ein Beispiel. Mit GPT und anderen KI-Systemen werden viele Dienstleistungen, die früher eigene Teams und Messeauftritte erforderten, in Zukunft anders funktionieren.

Die Marke wird größer und dadurch beliebiger

Die gamescom versucht gleichzeitig, ihre Marke mit LATAM, Asia und LAN immer weiter auszubauen. Das ist nicht grundsätzlich falsch. Aber dabei wird die Kernmarke vernachlässigt.

Plump gesagt: Wenn etwas jederzeit und überall erhältlich ist, ist es irgendwann nichts Besonderes mehr. Wer will im Sommer Lebkuchen? Wenn er ab August im Supermarkt steht, ist er an Weihnachten nicht mehr ganz so besonders. Wenn ich einmal im Jahr Pizza essen gehe, ist es ein Highlight. Wenn ich jede Woche zu meinem Lieblingsitaliener gehe, verliert es seinen Reiz.

Genau diese Gefahr sehe ich bei der gamescom. Die Messe war einmal ein jährlicher Ausnahmezustand. Heute wird die Marke immer weiter ausgedehnt, während die Veranstaltung vor Ort an Substanz verliert.

Viele Muster erinnern mich leider an die E3 oder die CeBIT. Messen, die einmal unverzichtbar waren, aber irgendwann den Kontakt zu ihrer eigenen Bedeutung verloren haben. Wenn die Tendenz so anhält, frage ich mich ehrlich, ob es die gamescom 2030 noch in dieser Form geben wird.

Ich will dieses alte gamescom-Gefühl zurück

Ich hatte dieses Jahr kaum FOMO. Ich bin nicht bis Sonntagabend geblieben und es war nicht schlimm. Früher war die Abreise immer mit einer kleinen Trauer verbunden. Wenn ich die ersten Instagram-Storys sehe, in denen bereits die ersten Trucks zum Abbau auf das Messegelände fahren, will ich denken: „Shit, ich habe so viel verpasst, weil es so viel Neues und Spannendes zu sehen gab.“

Dieses Gefühl hatte ich dieses Jahr nur selten.

Auf dem Xbox FanFest habe ich Halo angespielt und den – durchaus umstrittenen – Halo-Chef kennengelernt. Ein ziemlich lustiger Fauxpas: Ich wusste nicht, wer er ist, und habe mit ihm darüber diskutiert, wer von uns der größere Halo-Fan ist. Wir beide trugen Halo-Ketten. Mehr gamescom geht eigentlich nicht.

Ansonsten habe ich kaum Spiele angespielt. Remakes, Remaster und gefühlt Fortsetzung Nummer 120 sorgen bei mir nicht mehr automatisch für Begeisterung.

Was ich vermisse, ist das Gefühl nach der Messe: Die Füße nicht mehr zu spüren, kaum geschlafen zu haben und trotzdem Schmerzen in den Gesichtsmuskeln zu bekommen, weil man die ganze Zeit gegrinst hat.

Was sich ändern müsste

Kurz gesagt: Auf die Aktionäre scheißen.

Lang gesagt: Die Kosten für Publisher und kleinere Entwickler müssen sinken. Die Stadt Köln sollte gemeinsam mit der Messe über einen Preisdeckel für Hotels rund um die gamescom sprechen. Baustellen und große Planungen gehören nicht in die gamescom-Woche. Und die Marke gamescom braucht eine echte Fair-Use-Regel, damit auch kleine Unternehmen, KMU, Fans und Communitys sie nutzen können, ohne direkt finanziell eins auf den Deckel zu bekommen.

Die Messe lebt von dieser Community und vergisst sie gerade. Sie wirkt zunehmend wie ein abgehobener Star, der auf seine Fans nicht mehr angewiesen sein möchte.

Dabei müsste es so viele Möglichkeiten geben, die Community sinnvoll einzubinden. Eine Kooperation mit Valve und Steam, Epic-Quests mit Workshop-Items oder andere gemeinsame Aktionen könnten Publisher, Entwickler und Fans zusammenbringen. Es gibt 10.000 Ideen.

Ein Indie-Studio mit fünf Entwicklern kann aber nicht mal eben mehrere tausend Euro für einen Stand, Hotels oder das gamescom Camp bezahlen und zusätzlich noch Lohnkosten stemmen. Für das Geld könnte man auch einen Mitarbeiter finanzieren oder einen Streamer engagieren, der das Spiel ausführlich spielt.

Die Rechnung stimmt einfach nicht mehr.

Und trotzdem fahren wir nächstes Jahr wieder hin. Weil die gamescom noch nicht tot ist. Weil ASUS, Razer, das FanFest, die alten Freunde, die Community und die besonderen Zufallsbegegnungen noch da sind.

Aber genau deshalb muss sich etwas ändern. Nicht damit die gamescom noch größer wird, sondern damit sie wieder besonders wird.

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